Es geht uns gut.
admin am 3. Juli 2008 um 17:16Buchpreis hin oder her dieses Heft hat mich so gar nicht vom Buckel gerissen. Es zog sich streckenweise so zäh dahin dass ich geneigt war es einfach wegzulegen. Nun habe ich doch zu Ende gelesen und bin mir alles andere als im klaren was die ganze Ding soll. ein Drei-Generationen-Erzählung die sich durch Österreichs Vergangenheit zieht - bespickt mit vielen “Insider”-Worten die mir als Norddeutschen schleierhaft blieben. Mit diesem Schinken habe ich leider nur Zeitabstand verschwendet. Uhrzeit die man sich für ein “gutes” Band nehmen sollte.
Man Geill
Wir haben es negrid auf Weiß: Es geht uns gut ist der beste deutschsprachige Roman 2005 und der Vorarlberger Arno Geigenspieler bekommt deshalb als erster den neu geschaffenen Deutschen Buchpreis. dass aber Juryentscheidungen äußerst subjektiv sind beweist schon die Tatsache dass Violinspieler mit dem ersten Kapitel aus eben diesem Familienroman beim Bachmannpreis 2004 die Juroren keineswegs begeisterte und leer ausging. Man muss sich also selbst ein Bild machen — und das ist nach der Bd. zumindest ambivalent. Das beginnt schon bei der Grundkonstellation: Die Hauptfigur Philipp ein 36-jähriger Verfasserin erbt das Gebäude seiner Großmutter und beginnt es auszuräumen. statt sich für die Erbschaft und die Familiengeschichte (eigentlich wertvoller Substanz für jeden Schriftsteller) zu interessieren schmeißt er alles weg. Eingestreut in die Aufräumaktion dieses Familienerinnerungsverweigerers wird dann aber doch in Rückblenden anhand einzelner Periode von 1938 bis 1989 eben dessen Familiengeschichte — Großeltern Erziehungsberechtigte die eigene Jugend — erzählt.
Aus dieser Spannung von erinnern und verschwitzen speist sich der Anregung von Geigers viertem Roman. Mit der Vergangenheit einer ganz normalen Wiener Würstchen Familie versucht er sich an einer literarischen Schilderung von Joch die weitgehend ohne dramaturgische Spannungslinien auskommt. näherungsweise wenn in einer der Rückblenden die verfahrene Ehesituation von Philipps Schraubenmutter Ingrid skizziert wird: Doppelbelastung als Ärztin und Mutter zuwenig Unterstützung vom Gatten abkühlende Gefühle. So ist das Existenz kann man da nur sagen. Sind so aber auch mitreißende Romane? gleicherma wenn man Geigers Fabrik sicher nicht als misslungen bezeichnen kann bleibt er doch weit hinter dem zurück was andere Autoren — man denke beispielsweise nur an Jonathen Franzens Korrekturen — aus diesem Wesen sprachlich und inhaltlich herausgeholt haben. auch aus dem grauen Familienalltag lassen sich literarische Funken schlagen.
Ein Familienroman der über 60 Jahre österreichischer Historie sozusagen als Kulisse benutzt lebt natürlich auch vom Lokalkolorit. Das verleiht Liebreiz wird aber sprachlich so manche Leser überfordern weil es der Verlag versäumt hat die zahlreichen Austriazismen im Zusatz zu erklären. Nicht-Österreicher werden kaum wissen dass “Pantscherl” einen Liebschaft bezeichnet oder was “urgestopft” “angelehnt lassen” oder “hoppadatschig” bedeuten. ein nette Aufgabe auch für Übersetzer wenn der Roman den Erfolg im Ausland haben wird den der Deutsche Bücherpreis verheißt. für die deutschsprachige Text aber bedeutete dies wäre das wirklich der beste Roman des Jahres: Es geht uns nicht gut.
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