Isaacs Sturm, 4 Cassetten

Isaacs Sturm, 4 Cassetten

Meine Meinung über “Isaacs Sturm” ist ein wenig zwiegespalten. auf der einen Seite versteht Larson es meisterhaft die wissenschaftliche Geisteshaltung zu Morgendämmerung des 20. Jahrhunderts mit ihrer unglaublichen Hybris und ihrem Machbarkeits- bzw. Kontrollwahn wiederauferstehen zu lassen doch andererseits kommen dabei zum Teil die handelnden Charaktere zu kurz. Man bekommt zwar einen Zugriff in die groben biographischen Statistik und beruflichen Wege der Hauptpersonen aber dennoch bleiben sie einem zum Komponente seltsam fremd da Larson sich nur und ausschließlich auf überlieferte Fakten konzentriert und jede darüber hinaus gehende Spekulation ablehnt bzw. als solche kennzeichnet. Die menschliche Katastrophe hinter den Ereignissen wird so höchstens angeschnitten.
Für ein Non-Fiction ist diese weiteres Vorgehen zwar durchaus lobenswert doch dann hätte der Verl. sich darüber hinaus an andere wissenschaftliche Konventionen halten sollen. Mir ist z.B. erst in der Mittelpunkt des Buches überhaupt aufgefallen dass es einen extensiven Begleitung mit Endnoten gibt auf die allerdings im Lyrics ärgerlicherweise nirgends hingewiesen wird.
Darüber hinaus verlieren besonders die Beschreibungen der sich zuspitzenden Atmosphäre und der Auswirkungen des Sturms viel von ihrer Kraft da sowohl Skizzen und Schaubilder als auch Fotos weitgehend fehlen obwohl diese zuhauf im Datenautobahn zu finden sind. In dieser Auffassung ist Larson’s “Der Teufel von Chicago” deutlich besser gelungen.
Mein letzter kleinerer Kritikpunkt bezieht sich auf Larson’s Themenauswahl. So interessant die Uhrzeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts auch ist scheint Larson sich im Endeffekt immer mit denselben Phänomenen sprich: Machbarkeitswahn und Anma zu beschäftigen. Im ersten Buch wirkt das noch originell und aufschlussreich aber bereits nach dem zweiten habe ich das Vorgefühl dass Larson mir nun keine wirklich neuen Erkenntnisse mehr vermitteln kann - egal welches Inhalt er beim nächsten Mal behandelt.

Eine wirklich tolle DVD!

Mit stürmen ist das so eine Sache: Jedem ist bekannt dass es sie gibt alle wissen um ihre Stärke aber dass es einen selbst treffen kann daran glaubt niemand — schließlich gibt es ja die Wettervorhersage. wozu sich also sorgen machen? So dachten auch die Einwohner der texanischen Hafenstadt Galveston im Jahre 1900. doch dieses im Jahre sollte der Gemarkung das fürchterlichste Katastrophe bescheren das sie je traf. Und mittendrin der Gatte vom Wetterdienst Isaac Cline selbst völlig überrascht von einem Wirbelsturm der die Gemeinde nahezu komplett auslöschte.

So weit die Posse dieses Romans und so weit auch die Wirklichkeit. wie was Erik Larson hier zu einem ungemein packenden Lektüre gemacht hat ist bittere Realität. Den gab es ebenso wie den Meteorologen. total geschickt hat Larson dessen Geschichte mit der des Hurrikans von 1900 und Episoden aus der Sturmforschung verwoben. gefährlich baut sich der Angriff über dem Atlantik auf und zieht Trend nichts ahnendes Galveston. Als er dann über die Ort hereinbricht schildert Larson dies so eindringlich dass man die Wucht des Sturmes geradezu spürt.

Das alles ereignete sich zu einer Uhrzeit als man euphorisch an die Unfehlbarkeit der Technik glaubte: “In diesem schien die Natur selbst kein großes Behinderung zu sein” beschreibt Larson das damalige Denken. Nur 12 Jahre später sollte der Sturz der “Titanic” endgültig beweisen dass dies ein Fehlannahme war. aber der Glaube an die menschliche Allmacht hat sich letztlich nicht geändert denn auch heute glauben die Bewohner Galvestons höchstwahrscheinlich wieder an ihre Zuversichtlichkeit — in der sturmgefährdetsten Gemarkung der USA.

Man Geill

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