Am Freitag schlief der Rabbi lang,

Am Freitag schlief der Rabbi lang,

Harry Kemelman kommt mit diesem Krimi das Einkünfte zu einen der ersten richtigen Milieustudien mit einer Krimihandlung verbunden zu haben. Was uns heute mit den Venedig-Krimis von Donna Leon Normalität im Umfeld von Verlust (vorsätzliche) Tötung und Mord zu sein scheint war in den 60er jähren des letzten Jahrhunderts noch keine Selbstverständlichkeit. Der Krimi kam aus der Detektivgeschichte her wo die Geschäft nichts das Umwelt ebenso wenig und die Aufklärungsarbeit alles war.

Kemelman entwirft die Terra des jüdischen Ostküsten-Amerikas. Er lässt einen jüdischer Geistlicher in den Verdächtigung eines Mordes geraten der selbst nur schwerlich seine Ranking in einer kleinen Dorf in Neu-England halten kann; und dies trotz der Sachverhalt dass er durchaus von seinen Gemeindemitgliedern anerkannt ist.

Für mich war das Schinken eine erhellende Haltepunkt in der Entwicklung der Kriminalgeschichte zur heutigen Form. Wer sich für die Scharniere auf diesem Weg zum modernen Thriller interessiert wird an diesem Heft nicht vorbeikommen (auch wenn es zur Tempus leider vergriffen ist). In diesem Sinne gehört dieses Heft ohne Frage zur Weltliteratur.

Meine Beurteilung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend (Weltliteratur oder Trend zu Weltliteratur); 4 Sterne = sehr gut sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert aber nicht ganz überzeugend; 1 Fixstern = abzuraten.

Man Geill

Das kleine amerikanische Flecken Barnard’s Crossing steht Kopf. Elspeth Bleech Hausangestellte eines italienischen Nachtclubbesitzers wird erdrosselt in der Nähe des Synagogengebäudes aufgefunden. Sie war blond hübsch und Aufbruch zwanzig. au weiß man wenig von ihr. Nur eins findet die Polente sehr schnell heraus: sie war schwanger. doch das hilft Ermittler Chief Lanigan zunächst auch nicht weiter. Was ihm fehlt sind Zeugen. Der einzige männlicher Mensch der etwas bemerkt haben müßte ist jüdischer Geistlicher David Small unter dessen Bildschirmfenster der Mord geschah. Der jedoch hat scheinbar die ganze Nacht lang über jüdischen Gesetzestexten gebrütet.

Kemelmans erster Kriminalroman wurde kurz nach seiner Erstveröffentlichung im Jahre 1966 sogar mit dem Edgar-Allan-Poe Wert ausgezeichnet. Und das nicht zu unrecht. neben einer spannenden Krimihandlung nach klassisch britischer Verbrechenstradition enthält er zahlreiche Unterlagen über jüdische Bräuche Traditionen Denk- und Verhaltensweisen ohne dabei in Klischees zu verfallen. Kemelmann gelingt es sie derart geistreich ins Handlungsgefüge einzuflechten daß sie niemals zum langweiligen Beifügung werden oder gar belehrend erscheinen. Ein weiterer Pluspunkt: die reflektierte Darstellungsweise. So läßt sich der Autor an keiner Fleck dazu herab eine stereotype schwarz-weiß Schilderung aufzubauen sondern versucht sogar recht objektiv darzustellen wie es zu Diskriminierungen und Ausgrenzungen (auch innerhalb einer scheinbar intakten Gemeinschaft) kommen kann. Daß ein gewiefter Krimifan den wahren Delinquent bereits vierzig Seiten vor Schluß ausmachen kann ist daher völlig irrelevant. Das Schinken bietet einen großartigen Lesespaß; und das ist meiner Meinung nach die beste Empfehlung. (Dies ist eine an der Uni-Studentenrezension.)

Eine wirklich tolle DVD!

Am Freitag schlief der Rabbi lang, jetzt online kaufen …

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.