Inzest,

Inzest,

Mit Aushilfe suchender Wut und charmanter Hysterie legt Theater-Star Sophie Rois (Kino: “Die Fünftelbauern” “Der kalte Finger”) ihre Rolle in diesem Monolog-Hörspiel an welches zum Seelen-Pingpong zwischen Rausch Scham und Gier (nach) gerät.
“Inzest” nach dem gleichnamigen Skandalbuch von Christine Angot (“Sujet Angot”) ist im ersten Stück aufreibende Girl-meets-Girl-Story in der Endphase im zweiten emphatisch-zynische Abrechnung mit dem Altvorderen und auch mit sich selbst. Wie sehr die verzweifelte Jagen der delirierenden telefonsüchtigen erwachsenen Protagonist C.A. nach Glück (bzw. Liebe) und die als Rückblende angelegte von der Autorin als ‘Buch der Erinnerungen’ bezeichnete demütigende inzestuöse Vater-Tochter-Beziehung verwoben sind zeigt dieser ergreifende Monolog.
Eine vorzügliche Hörspieleinrichtung durch Annette Kurth (“Frankenstein”) und die unverwechselbare rauchig-brüchige Votum Sophie Rois’ verführen zum zuhören machen aber auch betroffen und nackdenklich.

Eine wirklich tolle DVD!

“Drei Monate lang war ich homosexuell. vielmehr drei Monate lang glaubte ich dazu verurteilt zu sein.” So lautet der Beginn des Romans und man fürchtet ein homophobes Pamphlet vor sich zu haben das die Lektüre nicht lohnt. weit gefehlt — Inzest ist eines der aufregendsten Bücher seit langem sein pervers überspanntes Stakkato brillant geschliffen. Die lesbische Erzählung einer Amour fou dient dabei nur als Einstieg der etwas viel Profunderes zu Tage bringt. so gesehen muss man auch den Umschlagtext als irreführend bezeichnen stürzt er sich doch alleine auf die pikanten “Gründe und Abgründe dieser unmöglichen Liebe”.

Die Ich-Erzählerin schildert den Telefonterror mit dem sie ihre Ex-Affäre überzieht da es ihr trotz aller Antipathie gegen Homosexualität unmöglich ist mit ihr Folgerung zu machen. Die Geliebte selbst (eine ruhige zehn Jahre ältere Ärztin) bleibt dabei blass und kann die wütende Hassliebe die sie in der Erzählerin auslöst nicht erklären; sie ist nur eine Projektionsfläche. Was für ein Aufgabenstellung also hat die Erzählerin warum kämpft sie mit der Hinblick der Kerl sei “besser als die Ehefrau (als Liebhaber) der Weiße besser als der Druckerschwärze der Wei besser als der Arbeiter”? wodurch sie sich ihres Wahnsinns voll bewusst ist.

zuzüglich Christine Angots literarische Bravurleistung reduzieren zu wollen (und zu können) beginnt man in den folgenden beiden Kapiteln unweigerlich nach Erklärungen zu suchen: Mit vierzehn traf sie erstmals ihren Väter einen angesehenen Linguistikprofessor und wurde von ihm in den folgenden jähren wiederholt missbraucht. Wie ihr Vati die Fraulichkeit seiner Tochter verachtete wird die Tochter nun ihrerseits Underdogs hassen. In der Intimität einer lesbischen Hinsicht bricht die an den Inzucht — der ihr jede Liebesleben in der sie sich nicht leicht distanzieren kann unmöglich macht — wieder auf. Beim Mitteilung wird Christine Angot nie erneut zum Gegenstand sondern führt den Diözese ohne Aufmerksamkeit auf Verluste tragikomisch fast burlesk.

Man Geill

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