In Zungen reden. . Stimmenimitationen von Gott bis Jandl. Lesung

In Zungen reden. . Stimmenimitationen von Gott bis Jandl. Lesung

Gernhardt fackelt hier ein Feuerwerk ab das seinesgleichen sucht: droben eine Vierundzwanzigstel eines Tages Parodien der Weltliteratur “von Gott bis Jandl” und darüber hinaus. belanglos ob er sich Boccaccio vornimmt oder Brecht oder Eichendorff à la Gernhardt (“Classic Sandwich”) oder wen auch immer: Er trifft zunächst täuschend ähnlich den Original-Ton um alsogleich einen echten Gernhardt draufzusetzen genau in dem Augenblick in dem man sich genüsslich zurücklehnen will. ebenso gilt für literarische Genres; berühmt sind nicht nur sein Sonetten-Schmäh oder die Paulus-Briefe.
Diese CD beweist dass Genrhardt zu jenen Dichtern gehört die auch “lesen” können und seine jeweiligen Einleitungen (etwa zur Busch-Parodie) fügen sich nahtlos ins Gesamtkunstwerk ein.
Es heißt man habe ein literarisches Fertigungsanlage erst dann verstanden wenn man es parodieren kann. Man kann ergänzen: So phantastische Parodien wie man sie hier geboten bekommt eröffnen einem auch neuen Zutritt zu längt bekannt geglaubten Klassikern.

Eine wirklich tolle DVD!

Anziehung wir nicht stets vom Schriftsteller einen eigenen unverwechselbaren Stil? Robert Gernhardt beweist auf In Zungen reden dass die Herrschaft gerade im Stimme verstellen nachahmen Nach- und Weiterdichten bestehen kann. Joseph von Eichendorff beispielsweise wird Entbehrung der Gernhardtschen Praktik des “Classic Sandwich”: erstes und letzte Zeile original Eichendorff dazwischen eine schmackhafte Bestückung von Gernhardt. Und aus Jandls “Ottos Mops” wird beim Mitbegründer der Neuen warmes Würstchen Delphinschule “Annas Gans” “Gudruns Luchs” und “Gittis Hirsch”.

Beweggrund zum Zungenreden geben Gernhardt berühmte Kollegen wie Bertolt Brecht Dante Heine Wilhelm Urwald oder Boccaccio aber ebenso Gebete Weihnachtslieder Fabeln und Märchen. auffällig Gernhardt auch das Gedicht eines Sonetthassers oder die Paulus-Verse an die Indianer: “Paulus schrieb den Irokesen: ihr schreib’ ich nichts lernt erst mal lesen.”

Live-Mitschnitte mit lachendem und klatschendem Zuschauer kann man mögen oder nicht. In diesem Fall bringen sie einen aber in den Begeisterung der überaus vergnüglichen Einführungen und Überleitungen — und zu der Erkenntnis dass Robert Gernhardt nicht nur als Dichter überzeugt sondern auch als Entertainer.

Spieldauer: 85 57 Minuten Live-Mitschnitt. nicht zuletzt erhältlich als CD.

Man Geill

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